Marie Meierhofer Institut für das Kind

Aktuelle Projekte

Langfristige Auswirkungen früher familialer Risiken auf Verhaltensprobleme und die Selbstwirksamkeit – Individuelle, familiale und ausserfamiliale Schutzprozesse (2016–2019)

Frühere Forschungsarbeiten konnten zeigen, dass die Fähigkeit von Kindern, zusammenhängende und reichhaltige Geschichten erzählen zu können sowie eine hohe Qualität in Kindertageseinrichtungen eine schützende Wirkung haben: Sie können ungünstige Auswirkungen familialer Risikobelastungen abschwächen. Längsschnittliche Belege für diese Schutzprozesse fehlen jedoch noch. Ziel der Studie ist es, die Auswirkungen früher familialer Risiken auf die sozial-emotionale Kompetenz von Kindern von der frühen Kindheit (3 bis 5 Jahre) bis zum mittleren Schulalter (9 bis 11 Jahre) längsschnittlich zu untersuchen.

Dabei interessiert, wie sich die sozial-emotionalen Kompetenzen der Kinder im Verlauf entwickeln, inwieweit 1.) mentale Repräsentationen von Kindern, wie ihre selbstwahrgenommene Kompetenz und die Fähigkeit, zusammenhängende und reichhaltige Geschichten erzählen zu können, 2.) die Qualität elterlicher Anregung und Unterstützung sowie 3.) die früher erfahrene Qualität frühkindlicher Bildung, Erziehung und Betreuung in Kindertageseinrichtungen möglichen negativen Auswirkungen früher familialer Risiken entgegen wirken können.

Bei der Studie handelt es sich um die Fortsetzung der Teilstudie «Resilienzförderung» innerhalb des Forschungsprojekts „Bildungs- und Resilienzförderung im Frühbereich“ (2009–2013). Die Daten werden über Fragebögen und Interviews bei den Kindern und Eltern erfasst.

Die Studie ermöglicht neue Erkenntnisse darüber, welche Faktoren eine gesunde kindliche Entwicklung trotz Risiko ermöglichen und damit zur Entwicklung von Resilienz beitragen können.

Das Projekt wird vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanziell unterstützt.

Laufzeit:
2016 – 2019

Projektleitung:
Dr. phil. Corina Wustmann Seiler

Operative Verantwortung:
Dr. phil. Fabio Sticca (seit 11/2017)
Dr. phil. Eva Müller (bis 02/2017)

Wissenschaftliche Mitarbeiterin:
Olivia Gasser-Haas, M.Sc.

Evaluation des Angebots «Eltern und Kinder in der ALTERNATIVE» und Mitarbeit bei der Weiterentwicklung des fachlichen Konzepts (2015-2017)

Die im sozialtherapeutischen Betreuungsnetz zusammengefassten Angebote des Vereins für umfassende Suchttherapie DIE ALTERNATIVE unterstützen Einzelpersonen und Paare sowie Eltern(-teile), die von Sucht und/oder von einer psychischen Erkrankung betroffen sind, und deren Kinder.

2011 wurde das Konzept der Eltern-Kind-Angebote von der ALTERNATIVE überarbeitet und angepasst. Das MMI wurde beauftragt, den Prozess der Auswertung des neuen Konzepts und der Erfahrungen damit fachlich zu begleiten. In der ersten Phase des Auftrags wurden im Rahmen einer wissenschaftlichen Begleitung durch das MMI verschiedene spezifische Fragestellungen der Konzeption und deren Umsetzung in der Praxis bearbeitet. Hierfür wurden Gruppeninterviews mit Fachpersonen der verschiedenen Eltern-Kind-Angebote geführt, Belegungsdaten analysiert sowie Fallunterlagen gesichtet. Dieser Projektteil wurde ab Mai 2015 umgesetzt und im Januar 2016 mit einem Bericht abgeschlossen. In der zweiten Projektphase kommt dem MMI eine beratende Rolle bei der Weiterentwicklung des Konzepts der Eltern-Kind-Angebote der ALTERNATIVE zu. Basierend auf dem erarbeiteten Bericht werden mit den Leitungspersonen der ALTERNATIVE im Rahmen von Workshops Konzeptanpassungen diskutiert und Rückmeldungen zum Konzeptentwurf gegeben. Diese Arbeiten in Zusammenhang mit der Weiterentwicklung der Konzepte erfolgten im Jahr 2016 zu zwei Eltern-Kind-Angeboten und werden 2017 mit der Begleitung der Konzepterstellung zum dritten Standort der Angebotspalette für Kinder und Eltern abgeschlossen.

Laufzeit:
Mai 2015 - September 2017

Auftraggeber:
Verein für umfassende Suchttherapie DIE ALTERNATIVE
Amt für Jugend und Berufsberatung des Kantons Zürich

Projektleitung und -umsetzung:
Dr. phil. Heidi Simoni
lic. phil. Corinne Dreifuss

Evaluation der neuen Umsetzungsmodelle des Frühförderprogramms schritt:weise (2012-2017)

Das präventive Förderprogramm schritt:weise richtet sich an sozial benachteiligte Familien sowohl mit schweizerischem als auch mit Migrationshintergrund. Das Konzept des Programms fokussiert auf die Nutzung und Erweiterung vorhandener Kompetenzen und Ressourcen sowie die Stärkung der Eigenverantwortung der Familien. Eine wichtige Zielsetzung besteht ausserdem darin, Kindern und ihren Eltern den Zugang zu bestehenden Angeboten (Beratung, Spielgruppen, Kindertagesstätten, Familienzentren) zu erleichtern.

Die Basisevaluation des Programms schritt:weise mit insgesamt 140 Familien an acht Standorten der Deutschschweiz wurde 2011 abgeschlossen. Sie hat gezeigt, dass das Programm zu Veränderungen in die erwartete Richtung führt: Die Familien sind am Ende des Programms sozial besser integriert, die Eltern fühlen sich in ihrer Erziehungskompetenz gestärkt und die Kinder konnten sich altersadäquat entwickeln sowie ihre sozialen Kontakte im ausserfamiliären Raum erweitern (siehe Bericht der Basisevaluation).

In Ergänzung zum bestehenden Standardmodell wurden vom Verein a:primo neue Umsetzungsmodelle, deren Kosten im Vergleich zum Standardmodell reduziert sind, ausgearbeitet. Dabei soll die hohe Programmqualität von schritt:weise nicht beeinträchtigt werden. An fünf Pilotstandorten werden vier neue Umsetzungsmodelle erprobt sowie im Auftrag des Vereins a:primo durch das Marie Meierhofer Institut evaluiert. Dabei werden, unter besonderer Berücksichtigung modellspezifischer Fragestellungen, die Implementierung der neuen Modelle wissenschaftlich begleitet sowie verschiedene Qualitätsaspekte, insbesondere die Effekte auf die Familien und Kinder, analysiert. Der Frage nach der Nachhaltigkeit der bei den Familien erzielten Effekte wird mit einer Follow-up-Studie nachgegangen.

Laufzeit:
2012 – 2017

Projektleitung:
Dr. phil. Maria Teresa Diez Grieser

Wissenschaftliche Mitarbeiterin:
lic. phil. Corinne Dreifuss

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Partizipation in der frühen Kindheit – Kontexte, Inhalte, Methoden (2015-)

Im seit 2015 laufenden Projekt befasst sich das MMI in Form von verschiedenen Aktivitäten mit dem Thema Partizipation in der frühen Kindheit. Mit dem Projekt soll ein Beitrag zum Diskurs des Themas und zur Diskussion von Möglichkeiten, Inhalten und Formen der Partizipation junger Kinder geleistet werden.

Der zentrale Teil des MMI-Projekts besteht in der systematischen Auseinandersetzung mit den internen Projekten, Angeboten und Produkten des MMI. Dazu wurden die seit 2010 realisierten Praxis- und Forschungsaktivitäten durch die MMI-Fachmitarbeitenden anhand eines vorbereiteten Rasters dokumentiert und durch ein Team des MMI-Forschungsbereichs in einer systematisierten Übersicht zusammengestellt. Zugleich haben sich alle Fachmitarbeitenden in Form von internen Workshops und Diskussionsrunden mit dem Thema der Partizipation in der frühen Kindheit auseinandergesetzt. Die systematische Dokumentation der internen Projekte, Angebote und Produkte bildete den Ausgangspunkt für einen Analyseprozess zur Frage, wie Angebote und Projekte, die partizipative Prozesse in der frühen Kindheit umsetzen oder sich mit ihnen auseinandersetzen, verortet und verglichen werden können. Als Ergebnis dieser Analyse wurde ein Übersichtsschema zur Reflexion kindlicher Partizipation im Frühbereich erarbeitet.
Ein weiterer Teil des Projekts beinhaltete eine Literaturrecherche zu verschiedenen Fachbereichen, um die bestehende Literatursammlung zum Thema Partizipation in der frühen Kindheit zu aktualisieren.
Die im Dezember 2016 erschienene Ausgabe Nr. 98 der MMI-Fachzeitschrift undKinder hat sich dem Thema Partizipation in der frühen Kindheit gewidmet. Das Heft beinhaltet Gastbeiträge sowie Artikel von Mitarbeitenden des MMI. Mit den verschiedenen Beiträgen konnte eine breite Palette von Kontexten von Partizipation im Frühbereich beleuchtet werden. Weiter wird im Heft das im MMI-Projekt erarbeitete Übersichtsschema vorgestellt, das sich darüber hinaus im Konzept des Heftes widerspiegelt.
Für das Jahr 2017 sind weitere Projektaktivitäten, unter anderem ein Workshop mit Fachreferenten und eingeladenen Gästen, geplant.

Das Projekt wird von der Mercator Stiftung Schweiz mitfinanziert.

Laufzeit:
ab 2015

Projektleitung:
Dr. phil. Heidi Simoni
Dr. phil. Maria Teresa Diez (bis Mai 2016)

Wissenschaftliche Mitarbeiterin:
lic. phil. Corinne Dreifuss

Wissenschaftliche Begleitung der Erfassung von Umfeldfaktoren im Rahmen des Zürcher Abklärungsverfahrens zum sonderpädagogischen Bedarf im Vor- und Nachschulbereich (2014-)

Das 2013 im Kanton Zürich eingeführte neue Abklärungsverfahren zur Bestimmung des sonderpädagogischen Bedarfs im Vor- und Nachschulbereich hat das Ziel, den individuellen sonderpädagogischen Bedarf von Kindern im Vorschulalter (und nach dem Schulalter) unter Einbezug der verschiedenen diagnostisch tätigen Fachbereiche zu ermitteln. Das Abklärungsverfahren wird durch die Fachstelle Sonderpädagogik am Kinderspital Zürich (Abteilung Entwicklungspädiatrie) und am Kantonsspital Winterthur (Sozialpädiatrisches Zentrum SPZ) umgesetzt.

Das MMI wurde vom Amt für Jugend und Berufsberatung (AJB) des Kantons Zürich mit der wissenschaftlichen Begleitung der Implementierung des Zürcher Abklärungsverfahrens beauftragt. Mit der wissenschaftlichen Begleitung wird an der konzeptuellen Weiterentwicklung und Systematisierung der Erfassung von Umfeldfaktoren gearbeitet.
Die beiden ersten Etappen der wissenschaftlichen Begleitung (2014-2015) beinhalteten unter anderem eine Bestandsaufnahme bezüglich der Datenerfassung sowie eine Zusammenstellung relevanter Faktoren für die Umfelddiagnostik unter Einbezug einer Analyse von Fällen aus den Fachstellen sowie von Fachliteratur. Im Jahr 2016 wurde diese Zusammenstellung im Hinblick auf die Operationalisierung der Umfeldfaktoren in Form eines Erfassungsbogens weiter ausgearbeitet. In diese Ausarbeitung sind die Ergebnisse aus zwei Gruppeninterviews eingeflossen, die im Januar 2016 mit einer Gruppe von abklärenden Heilpädagogischen Früherzieherinnen bzw. mit einer Gruppe von abklärenden Logopädinnen zu ihren Vorgehensweisen und Einschätzungen bezüglich der Umfelddiagnostik geführt wurden. Parallel dazu hat das MMI-Team das Thema der Erfassung von Umfeldfaktoren auf Grundlage von Fachliteratur weiter theoretisch-konzeptuell bearbeitet.
Im Jahr 2017 wird auf Grundlage dieser Arbeiten ein Dokumentationsbogen zur systematischen Erfassung von Umfeldfaktoren erstellt, mit den zuständigen Fachpersonen der Fachstellen und des AJB diskutiert und in einer Pilotphase erprobt.

Laufzeit:
seit Mai 2014

Auftraggeber:
Amt für Jugend und Berufsberatung des Kantons Zürich
Kinderspital Zürich

Projektverantwortliche:
Dr. phil. Maria Teresa Diez (bis Mai 2016), lic. phil. Corinne Dreifuss

Bereichsverantwortliche Forschung (seit September 2016):
Dr. phil. Patricia Lannen

Leben mit Brüchen und Verlusten in der frühen Beziehungsumwelt (2012-2016)

Mit Referenz auf die Studien von Marie Meierhofer und anderen Forscher/innen über Deprivation bei in Heimen betreuten Säuglingen in den 1950er bis 1960er Jahren in Zürich, realisiert das MMI zwei sich ergänzende Forschungsarbeiten zur Lebenssituation von Säuglingen und jungen Kindern, die in Fremdplatzierungskontexten aufwachsen bzw. aufgewachsen sind.

Welche Spuren hat eine frühe Platzierung bei Erwachsenen hinterlassen, die heute in der zweiten Lebenshälfte stehen? Wie gelang es ihnen, trotz einer beziehungsarmen Umgebung und frühen Verlusterfahrungen, psychisch zu überleben und beziehungsfähig zu werden? Wie erleben und beschreiben heutige junge Pflegekinder ihre Beziehungswelt?
Zu Wort kommen sollen in erster Linie die Betroffenen selbst: Erwachsene, die nach einem belasteten Start auf ihr Leben zurück blicken sowie Kinder, die heute von einer Platzierung betroffen sind.

Die beiden Teilprojekte erforschen die Thematik unter Einbezug neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse, u.a. in den Themenbereichen Deprivation/Vernachlässigung, Bindung, Triaden, Identitätsentwicklung, soziale Teilhabe und Resilienz. Sie orientieren sich dabei an aktuellen Methoden qualitativer Sozial- und Bindungsforschung. Ausgehend von Einzelfällen interessieren sich die Studien dafür, ob sich in den Lebensgeschichten der Erwachsenen sowie in den Spielgeschichten (Story Stems) der Kinder gemeinsame Strukturen des Erlebens und Handelns in sozialen Beziehungen erkennen lassen.

Ein zentrales Anliegen beider Studien gilt der Frage, was es Säuglingen und jungen Kindern erlaubt, sich trotz früher Beziehungs- und Umweltverluste langfristig gesund entwickeln zu können. Neuere Untersuchungen weisen nach, dass sich die Folgen frühkindlicher Traumatisierungen während des ganzen Lebens bis ins hohe Alter auswirken. Von den Erkenntnissen beider Untersuchungen profitieren deshalb sowohl junge Kinder und deren Umfeld als auch erwachsene Betroffene früher, deprivierender Platzierung.

Laufzeit:
2012 – 2016

Projektleitung:
Dr. phil. Heidi Simoni

Mitarbeiterinnen:
Maria Mögel, lic. phil.
Gaby Ryffel, lic. phil.

Die beiden Teilprojekte werden mitfinanziert durch:

  • AJB (Startphase)
  • Clariant Foundation
  • Ernst-Göhner-Stiftung
  • Florindon Stiftung
  • Hamasil Stiftung
  • Heusser Staub Fonds
  • Schweizerischer Nationalfonds
  • Stiftung Luna
  • Viktor Dürrenberger Stiftung

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